| | TRAGÖDIE EINES STREIKS D 1911 REGIE: Adolf Gärtner KAMERA: Karl Froelich DARSTELLER: Henny Porten, Robert Garrison, Lotte Müller PRODUKTION: Messters Projektion GmbH, Berlin LÄNGE: 214 Meter FORMAT: 35 mm, s/w Der Konservatismus von TRAGÖDIE EINES STREIKS liegt auf der Hand: die Frau, die von Anfang an für die Ordnung und gegen den Aufruhr ist, kann um den Preis, ihr Kind zu verlieren, am Ende auch den Mann überzeugen, dass der soziale Kampf nur Unheil bringt. Das Leiden der Frau an der Männergesellschaft wird durch das Melodram nicht nur verklärt, sondern das verklärte Bild des weiblichen Opfers zur Domestizierung auch männlicher oppositioneller Perspektiven benutzt. Die Schauspielerin, Repräsentanz von Weiblichkeit, einer Männer-Projektion statt Reflexion weiblicher Realität, trägt keine Erzählperspektive mehr, sondern vollstreckt die männliche Ordnung. So verkehrt sich die ›Vernunft des Herzens‹ aus einer neuen Stimme der Geschichte in die projektive Abwehr des auf Neuerungen sinnenden Verstandes im Namen sprachlosen weiblichen Empfindens. Henny Porten, Verkörperung dieses Empfindens, hat schon mit ihrem ersten Auftritt - als Star, der sich im Vorspann lächelnd verbeugt - den Sieg davongetragen. (Heide Schlüpmann) VERSÖHNT D 1912 LÄNGE: 145 Meter FORMAT: 35 mm, s/w Es handelt sich um einen der eher seltenen Filme, in denen das Arbeitermilieu gezeigt wird: Fabrikgebäude, Arbeitersiedlung, eine Arbeiterstube. Die Geschichte erzählt von Klassenverhältnissen und dem Stolz des Arbeiters. In Entgegensetzung zu beiden tritt die Liebe auf. Man mag ihren Sieg als konservativ empfinden, eben als "falsche" Versöhnung, doch zeigt sich darin auch die Stärke der Frau, die der Männergesellschaft die Stirn bietet. (Karola Gramann) WANDAS TRICK (aka DIE LIST EINER ZIGARETTENMACHERIN) D 1918 REGIE: Dr. R. Portegg DARSTELLER: Wanda Treumann, Heinrich Schroth, Maria Grimm-Einödshofer PRODUKTION: Treumann-Larsen-Film-GmbH, Berlin LÄNGE: 919 Meter FORMAT: 35 mm, viragiert, französische Zwischentitel Wanda Schmied ist Arbeiterin in der Zigarettenfabrik Löbel. Sie gefällt ihrem Chef, und er führt sie abends aus. Heiraten will er sie jedoch nicht. Als Wanda erfährt, daß sie das große Los in der Lotterie gezogen hat, hält der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Löbel doch um sie an, aber nun lehnt sie ab. Sie kündigt und unterbreitet Löbel einen Plan für einen Reklamefeldzug. In einer einzigen Zigarettenschachtel seiner Marke soll ein Porträt von der - jetzt berühmten - Wanda versteckt sein; den Käufer dieser Schachtel will sie heiraten. Natürlich denkt sie daran, das Schicksal ein wenig zu manipulieren. […] [WANDAS TRICK wirkt streckenweise] wie ein Dokumentarfilm. Mehrmals sieht man aus verschiedenen Perspektiven in die große Halle, wo die Arbeiterinnen in langen Reihen hintereinander sitzen, jede in ihrem eigenen Tempo mit dem Drehen und Verpacken der Zigaretten beschäftigt. (Rot für Gefahr, Feuer und Liebe. Frühe deutsche Stummfilme, red. von Daniela Sannwald, Berlin 1995, S. 63) |